Auch ich kenne das Gefühl. Wenn man krank ist trägt man trotzdem noch das Pflichtgefühl mit sich, sich auf die Arbeit zu schleppen. Das ist ein völlig fatales Verhaltensmuster, denn letztlich wird niemandem dabei geholfen. Die Bertelsmann-Stiftung untersuchte das Phänomen “Präsentismus” und kam zu erstaunlichen Ergebnissen:
42 Prozent der abhängig und selbstständig Beschäftigten gibt an, in den vergangenen zwölf Monaten zweimal oder öfter krank zur Arbeit gegangen zu sein. (…)
Die Annahme, dass es vor allem Selbstständige sind, die besonders oft krank arbeiten, kann allerdings nicht bestätigt werden. Das Gegenteil ist der Fall. Der Anteil an Selbstständigen (52 Prozent) ist deutlich kleiner als der Anteil der abhängig Beschäftigten (74 Prozent).
(…) Studien zeigen, dass Kosten von Präsentismus deutlich über denen liegen, die infolge von Krankmeldungen anfallen
Also: Wer sich krank zur Arbeit schleppt schadet in erster Linie nicht nur sich selbst (möglicher Verschleppung und Verlängerung der Krankheit und damit ein unproduktives Setting) sondern natürlich auch seine Kollegen (Ansteckungsgefahr). Eine Erholungsphase mit gutem Gewissen ist notwenig, das Resultat: Die Mitarbeiter genesen schneller, die höhere Fehlerquote bei Präsentismus (also erkältetem Kopf) fällt weg und am Ende bedeutet das langfristig auch ein bessere Gesundheit und ein gesünderes Arbeitsklima.
Daher lautet meine strikte Anweisung an mein Team: Wer sich krank fühlt, hütet zu Hause das Bett und kommt erst wieder, wenn er sich wieder richtig fit fühlt. Die Arbeit kann und muss sogar auch mal liegenbleiben oder dann auf mehreren Schultern kurzzeitig verteilt werden. Wir alle wissen, wie dreckig man sich fühlt und wie wenig produktiv das Ganze eigentlich ist, nun müssen wir nur noch lernen das Verhaltensmuster des unpassenden Pflichtgefühls abzulegen. Desweiteren habe ich in der Vergangenheit gelernt, dass permanentes fahren/arbeiten im roten Bereich sich ähnlich negativ auf die Produktivität auswirkt wie der Präsentismus bei Krankheit. Wer sich keine Pausen gönnt schadet nicht nur sich selbst sondern auch dort wieder dem Unternehmen. Gerade kreative Aufgaben (aber auch Lernen etc.) erfordern immer wieder Unterbrechungsphasen. Das bitte ich zu beachten bei einer Gesellschaft die von der protestantischen Arbeitsethik geprägt ist.