So unterschiedlich wie die Hochschulen sind, so unterschiedlich sind auch deren Messestände bzw. Messeauftritte allgemein. Ich konnte in diesem Jahr einiges beobachten und auch die eigene Messepräsenz optimieren. Das habe ich nachfolgend versucht in zehn Punkten zusammen zu fassen, natürlich gibt es da noch mehr. Aber alles soll nicht verraten werden. Hier ist meine TOP 10:
1. Es kommt nicht auf die Größe an
Bevor ich den Platz im Messewesen an der Hochschule übernahm, war das Kriterium für oder gegen eine Messebeteiligung fast ausschließlich die Größe der Messe bzw. die Besucherzahl. Das ist ein fataler Irrglaube – nicht die Quantität, sondern die Qualität der Besucher steht im Vordergrund, zumindest im Hochschulbereich.
2. Checklisten
Ein uraltes Hilfsmittel, aber eines der besten. Ich habe gehört, dass Infomaterial vergessen wird oder sogar Teile des Messestandes. Eine gute Checkliste schafft hier Abhilfe, abgehakt wird erst, wenn der entsprechende Posten im Auto ist. Ich muss allerdings auch gestehen, dass ich mir dieses Jahr per Express Flyer von der Hochschule habe schicken lassen. Das lag aber daran, dass wir am Stand „überfallen“ worden sind im positiven Sinne…
3. Gebrieftes Personal ist gutes Personal
„Moment, da muss ich mal nachfragen…“ – dieser Satz dürfte eigentlich nicht fallen. Am Stand müssen Leute stehen, die alle relevanten Infos ganz genau wissen und auch fit sind. Eine Fahne von einer durchzechten Nacht ist eben auch ein großer Fehler… Jeder muss wissen wo er steht, wie er handeln muss, was er erzählt und wen er wann anspricht!
4. Für Aufmerksamkeit sorgen
Aufmerksamkeit sollte man sich mit dem Stand an sich verschaffen und nicht mit lauter Musik oder sonstigen wirren Aktionen. Hier kann man auch ruhig etwas wagen – wichtig ist, dass es den Messebesucher anspricht, vor allem die „Messebummler“.
5. Offener Stand für offene Besucher
Neben der Aufmerksamkeit hat sich auch gezeigt, dass offene Stände für die Besucher einladender wirken. Viele Aussteller verlassen sich aus Bequemlichkeit auf die Standardlösung, die vom Veranstalter angeboten wird. Das heißt in dem Fall eine Blendenkonstruktion, durch die eine Art Käfig entsteht. Schon aus psychologischen Gründen eigentlich nachteilig. Mit einem offenen Standbau fällt es den Besuchern viel leichter auch den Schritt hinein zu wagen. Das wirkt sich wiederum positiv auf das Gespräch aus.
6. Ansprechende Gesprächsatmosphäre herstellen
Dem Gesprächspartner muss ein angenehmes Gefühl vermittelt werden. Der Messestand ist jeweils eine kleine Welt – hier herrscht immer eine unterschiedliche Atmosphäre. Ist diese ansprechend, wird das Gespräch (nur möglich durch gebrieftes Standpersonal) positiv im Gedächtnis bleiben. Damit ist evtl. die Basis für eine längerfristige Kommunikation gelegt…
7. Die Sprache der Standbesucher sprechen
Zum positiven Gespräch gehört natürlich auch, dass man die Sprache des Gesprächspartners kennt und auch spricht. Damit meine ich nicht irgendwelche Fremdsprachen – es macht einen Unterschied, ob es sich um zwei Freundinnen handelt, die demnächst Abi machen, ob es sich um einen Bankkaufmann handelt, der seine Ausbildung abgeschlossen hat und nun studieren möchte, oder ob die Eltern die Gesprächspartner sind. Man sollte hier blitzschnell wechseln können, da sich jedes Messegespräch unterscheiden wird. Bei teilweise acht Stunden Messe nicht immer einfach!
8. Versprechen halten
Wenn dem Gesprächspartner irgendwas versprochen wird, muss es gehalten werden. Nichts wirkt sich negativer aus, als ein nicht gehaltenes Versprechen. Wenn das Infomaterial Anfang der Folgewoche versprochen wird, dann muss es auch gleich am Montag raus!
9. ROI
An diesem Punkt noch etwas zu den Kosten. Viele Aussteller versuchen sich gegenseitig mit dem Standbau zu übertrumpfen und verursachen irrsinnige Kosten – wenn es sich rechnet, dann ist das ja okay. Aber manchmal ist weniger wirklich mehr. Wenn ich unnötige Kosten am Stand einspare, kann ich diese in weitere Messen stecken. Ich habe mit Kollegen gesprochen, die mir sagten, dass ihr Stand von einer Messebaufirma auf- und abgebaut wird, dass ein Transporter nötig sei, usw. – eine Hochschule darunter existiert übrigens nicht mehr… „Mein“ Messestand passt in den Kofferraum eines Kombis, kann selbst aufgebaut werden und ist in den hier genannten Punkten 4 und 5 ganz oben mit dabei… Es geht also!
10. Genaue Messenachbereitung und Erfassung der relevanten Daten
Nach der Messe ist vor der Messe. Alle relevanten Daten müssen ausgewertet werden und nachbearbeitet werden. Natürlich spielt der eigene Eindruck auch eine Rolle. Aber um eine Messe rechtfertigen zu können entscheiden eben auch die Zahlen. Wichtig ist hier (so heißt auch ein Buch aus meinem Studium): Messen messbar machen…
Den perfekten Stand gibt es übrigens nicht – ich bin auch schon gespannt wie der eigene Messestand im Jahr 2010 weiter optimiert wird. Einige Ideen habe ich schon…
Schöne Zusammenstellung.
Und natürlich arbeiten wir 2010 auch weiter am perfekten Messestand!
Hallo Florian,
zu 5. :
“Neben der Aufmerksamkeit hat sich auch gezeigt, dass offene Stände für die Besucher einladender wirken.”
Der Logistiker Fiege hat genau das Gegenteil mit seinem neuen Auftritt gewagt und einen großen geschlossenen, roten Kasten gebaut. Die Besucher wurden durch den Eintritt in die eigene “Fiege Welt” eingeladen; scheinbar mit großem Erfolg.
->Google “Fiege Messestand”
Definitiv ein anderer, interessanter Ansatz.
Gruß
Marco
Hallo Marco,
ich gebe dir da vollkommen recht. Allerdings handelt es sich hierbei um ein ganz anderes Konzept, schon was Aufwand und Kosten betrifft. Auf der transport logistic in München sind wesentlich größere Unternehmen und Messestände vorzufinden – im Hochschulbereich bzw. Bildungsmarkt sind es oftmals Stände zw. 12 und 50 qm. Da wirkt ein geschlossener Stand eher erdrückend, oder nicht? Trotzdem ein sehr interessanter Stand!
@Marco und Flo:
Ich denke es kommt immer auf die Konsequenz und die Differenzierung an.
Wenn öffnen, dann eben so weit wie möglich, wenn schließen, dann Neugier zum reingehen erschaffen und das dann eben auch möglichst konsequent. Wenn das aber jeder an so einer Messe macht, dann wird das geschlossene wohl weniger erfolgreich sein.
Was definitiv hilft: Sich mit der Psychologie beschäftigen. Was sind die Grundbedürfnisse des Menschen? Wenn ich da an Kampf und Flucht denke, so könnte ich mir vorstellen, dass der Forscherdrang der Menschen bei geschlossenen Konzepten am Anfang vielleicht sehr groß sind, aber die Verweildauer (und da sprach Flo ja von der Qualität der Gespräche) aufgrund mangelnder Flucht- und Kampfmöglichkeiten wesentlich kürzer ausfallen wird.
Könnt ihr hier nochmal diesen Fiege-Stand posten? Hab da nix schnelles gefunden.
Unter diesem Link das e-Mag runterladen: http://www.fiege.de/file.php?__lang=de&file=/downloads/redesign/News/logo66.pdf&type=down
Der Bericht zum Messeauftritt ist ab Seite 36 zu lesen!
Hi,
das war nicht speziell auf den Auftritt der Karlshochschule bezogen, dass hier die Anforderungen & Möglichkeiten anderer Natur sind, ist klar, sondern mehr eine Art allgemeiner Einwurf.
Patrick hat sicher Recht, dass die Standkonstruktion unterm Strich sicher nicht der ausschlaggebende Punkt ist, sondern der Erfolg im wesentlichen von den Standmitarbeitern abhängt.
Was hilft der schönste Messestand, wenn das Personal sichtlich gelangweilt auf den Sitzgelegenheiten für die Besucher herumgammelt, Gummibärchen oder Salzstangen (ebenfalls für die Besucher) isst und “lästige” Interessenten gekonnt ignoriert.
Der sich bietende Anblick ist hier teilweise wirklich erschreckend, unabhängig von Größe & Bekanntheit der Aussteller. Gerade im Hinblick auf die Kosten einer Messebeteiligung und dem allgemeinen Ruf nach Effizienz und ROI, sorgt solches Verhalten für heftiges Kopfschütteln.
Ich erinnere mich noch genau, als ich das erste Mal mit der Karlshochschule bzw. damals noch Merkur FH, auf einer Bildungsmesse in Kontakt gekommen bin. Im Vergleich dazu hat die Hochschule mit ihrem Messeauftritt (wie bei vielen anderen Dingen) einen Quantensprung vollzogen. Da könnte sich so manches Unternehmen einiges abschauen
Gruß nach Karlsruhe
Marco